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Croissants - Französische Momente

  • Montag, 09 Mai 2016 16:04
  • geschrieben von  Torsten Scheel

Einer der Höhepunkte auf jedem Frühstückstisch ist unbestritten das Croissant. Herrlich locker und duftig verführen sie jeden zu einem französischen Moment. Denn nichts steht so eindeutig für die kullinarische Kompetenz unserer französischen nachbarn wie das Croissant, oder?

Doch seinen Ursprung hat das köstliche Plundergebäck eigentlich ganz woanders.

 Die beliebteste Anekdote zur Erfindung des Croissant spielt im Jahr 1698 in Wien. Beziehungsweise kurz vor Wien. Dort lauerten die türkischen Belagerer auf eine günstige Gelegenheit die wehrhafte Kaiserstadt einzunehmen. Hierzu gruben sie Tunnel, hatten dabei aber nicht den österreichischen Bäckern gerechnet. Die waren wie üblich des Nachts mit ihrer Arbeit beschäftigt und vernahmen, da es ansonsten noch ruhig in der Stadt war, deutlich das Graben und Scharren aus dem Untergrund. Unverzüglich schlugen sie Alarm. Zum Dank für ihre vaterländische Aufmerksamkeit erhielten sie die Erlaubnis, künftig knusprige Hörnchen in Form des türkischen Halbmondes zu backen.

Ob an dieser Geschichte tatsächlich etwas dran ist, lässt sich heute schwer beurteilen. Aber sie ist auf jeden Fall die ungewöhnlichste.

Etwas fundierter erscheint die Überlieferung, dass Marie Antoinette, Tochter von Kaiser Franz I und Maria Theresia, bei ihrer unfreiwilligen Verheiratung nach Frankreich ein Kipferl aus Plunderteig mit nach Paris brachte. Von dort aus verbreitete es sich unter dem Namen Croissant schnell über das ganze Land und später auch über die Grenzen hinweg. Als Botschafter exquisiter Backkunst stand und steht das Croissant seitdem für Frankreich wie der Eifelturm, die Gaulois oder der Citroen 2CV. Hätten die Franzosen das schon 1792 gewusst, vielleicht hätten sie Marie Antoinette die Guillotine erspart.

Leider waren die Deutschen an der Entwicklung des Croissant so gar nicht beteiligt. Dafür verzehren sie das Gebäck heute fast schon exzessiv. Und das nicht nur in Reinform, sondern auch gerne mit Schokolade oder Marzipan gefült. Oder ganz herzhaft mit Käse und Schinken. Das Croissant, das vielleicht schönste Stück französischer Lebensart ist längst auf den Frühstückstischen dieser Welt angekommen. Auch wenn vielleicht die Österreiche und Türken nicht ganz unbeteiligt waren.

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  • Letzte Änderung am Montag, 09 Mai 2016 17:25
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